Arbeit mit psychisch Kranken hat Nicole (20) verändert

Denn gerade in der Pandemie brauchten die psychisch Kranken, die sie mit ihren Kollegen unterstützte, erst recht Hilfe. Jetzt ist die Bufdi-Zeit für die 20-Jährige fast vorbei - und sie ist zufrieden, erfüllt, Kniffel-Profi und hat ihren Berufswunsch geändert.

Nicole PelzerEin Bücherregal kaufen, ein Rezept beim Arzt abholen, zur Apotheke gehen, eine Sim-Karte einlegen, fürs neue Smartphone einen Identitäts-Check mit Personalausweis per Videochat regeln - für Nicole Pelzer alles kein Problem. Sie ist 20 Jahre alt, gut zu Fuß beziehungsweise hat einen Führerschein und geht auch mit zum Beispiel den digitalen Fragen des heutigen Lebens ganz selbstverständlich um. Den Menschen, denen die Hattingerin beim Regalkauf hilft, denen sie Medikamente abholt oder das Handy einrichtet, fallen diese Wege oder technischen Herausforderungen aber eben nicht leicht.

 

Nicole Pelzer ist Bufdi, im Bundesfreiwilligendienst bei der Caritas Ennepe-Ruhr im Einsatz. Und die Männer und Frauen, die sie unterstützt, sind Klienten der Kontakt- und Beratungsstelle für psychisch Kranke beziehungsweise des Ambulant betreuten Wohnens für psychisch Kranke. Es sind Menschen, die unter Depressionen, Angststörungen, Psychosen, sozialen Phobien oder Burnout leiden. "Wegen ihrer Erkrankungen kann zum Beispiel schon Einkaufen problematisch sein", erzählt Nicole Pelzer.

 

Viele Klienten sind älter, nicht mobil, nicht digital vernetzt und brauchen Hilfe

Davon abgesehen, sind unter den Klienten im Betreuten Wohnen der Caritas viele Ältere, die nicht mobil sind, beziehungsweise Menschen, die zur Corona-Risikogruppe gehören. Und einige haben, ganz simpel, keinen Internet-Zugang oder gehören nicht zur Generation, in der Online-Geschäfte leicht von der Hand gehen. "Die können nicht mal eben etwas im Internet bestellen, wenn die Läden geschlossen sind", sagt die Hattingerin - oder wenn es an einem Tag "Click & Collect" heißt und am nächsten Tag schon wieder anders. "Das hat sich ja ständig geändert."

 

Fast ein Jahr ist die 20-Jährige mittlerweile bei der Caritas im Einsatz. Und es waren durch die Corona-Pandemie sicher ganz andere Monate als üblicherweise im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) oder Bundesfreiwilligendienst. "Ich habe gesehen, wie man mit Mitarbeitern und Klienten in so einem Ausnahmezustand am besten umgeht, wie man Teams aufteilt, auf was man achten muss. sagt Nicole Pelzer, deren Bufdi-Zeit im August endet. Für sie war das Jahr nicht nur anders, sondern besonders. Der Titel der Caritas-Jahreskampagne 2021 #DasMachenWirGemeinsam trifft es dabei für sie genau. "Ich fand es gut, den Menschen helfen zu können, und gerade in der Pandemie zu sehen, wie wichtig es ist, dass es diese Unterstützung gibt."

 

Bilder von Klienten, die sich nicht mehr aus ihrem Haus trauten und Einkaufszettel an der Tür übergaben, um die Taschen später wieder vor die Tür gestellt zu bekommen, wird Nicole Pelzer nicht mehr vergessen. Sie ging Möbel für eine neue Wohnung mit aussuchen oder ging für einen älteren Herrn zur Tafel, die ihn mit dem Nötigen versorgt. Oder sie holte mittwochs einen Klienten zur Schachgruppe der Caritas ab und brachte ihn später wieder nach Hause. "Wir haben viel Spaß miteinander gehabt, viel gelacht", erzählt Nicole Pelzer von diesen Begegnungen.

 

Ein Klassiker wird zum corona-konformen Renner beim Spielen auf Distanz

So viel Kniffel wie in den vergangenen Monaten hat die Hattingerin wohl noch nie gespielt. Für jeden ein Block, für jeden eigene Würfel und ein Stift: So konnten die Teilnehmer der Spielegruppe, die sich seit etwa zwei Monaten wieder in Hattingen trifft, gut auf Distanz auf die Jagd nach Viererpasch oder Großer Straße gehen. Viel spielen wird Nicole Pelzer voraussichtlich auch nach ihrem Freiwilligendienst. Denn in den vergangenen Monaten hat sich ein neuer Berufswunsch erhärtet. "Ich möchte jetzt auf jeden Fall etwas Soziales machen", ist sich die 20-Jährige sicher und strebt zunächst eine Ausbildung als Erzieherin an.

Info-Kasten:

Anlaufstelle Elf Männer und Frauen sind bei der Caritas Ennepe-Ruhr im Bereich Betreutes Wohnen (BeWo) und der Kontakt- und Beratungsstelle beschäftigt. In Letzterer werden unter anderem die Gespräche mit Menschen geführt, die sich um die eigene psychische Gesundheit oder um die ihrer Familienangehörigen und anderer Bezugspersonen sorgen. Um die Menschen mit psychischen Störungen werden von den Fachkräften die notwendigen Beratungs- und Betreuungsangebote aufgebaut.


Kontakt Die Kontakt- und Beratungsstelle ist montags bis freitags von 8 bis 16.30 Uhr erreichbar unter Tel. 02324/56990-30 oder kub@caritas-en.de