Arm trotz Arbeit

Das gilt insbesondere in Nordrhein-Westfalen, wie der aktuelle Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW zeigt. 762.000 Menschen, knapp neun Prozent der Erwerbstätigen, zählen hier zu den "working poor". Bundesweit sind es knapp acht Prozent.

Immer mehr Menschen in Nordrhein-Westfalen haben einen Job ohne Perspektive, zu wenig Einkommen und eine mangelhafte soziale Absicherung. 762.000 Erwerbstätige sind inzwischen von Armut bedroht, weil sie weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung verdienen. Derzeit sind das unter 1.035 Euro im Monat. Vor zehn Jahren waren es noch 568.000 Erwerbstätige.

Im März 2019 gingen 4.659 erwerbsfähige Hartz-IV-Beziehende im Ennepe-Ruhr-Kreis einer Erwerbstätigkeit nach. Das entspricht 25,1 Prozent aller 18.525 Erwerbsfähigen im Hartz-IV-Bezug im Kreis.

Besonders erschreckend ist nach Ansicht der Freien Wohlfahrtspflege NRW, dass 17 Prozent der Vollzeitbeschäftigten in NRW nur einen Niedriglohn erhalten. Unter den Frauen ist davon sogar jede vierte betroffen.

"Kinderarmut hat ihre Ursache in Elternarmut, ganz besonders in der Armut alleinerziehender Frauen. Damit ihnen der Ausstieg aus schlecht entlohnter Beschäftigung gelingt, brauchen sie gezielte Beratung und neue Möglichkeiten der berufsbegleitenden Weiterqualifizierung", sagt Dominik Spanke, Vorsitzender der Freien Wohlfahrtspflege im Ennepe-Ruhr-Kreis. Zudem müssten Kinderbetreuungsangebote so ausgebaut werden, dass sie den besonderen Bedürfnissen berufstätiger Eltern gerecht würden.

Bei 498 Menschen, die im Ennepe-Ruhr-Kreis in Vollzeitjobs arbeiten, ist das Einkommen sogar so niedrig, dass es nicht einmal zur Sicherung des Existenzminimums reicht. Sie sind als sogenannte "Aufstocker" auf ergänzende, steuerfinanzierte Hartz-IV-Leistungen angewiesen. Hinzu kommen weitere 1.448 "Aufstocker", die in Teilzeit arbeiten. Einen großen Anteil an den "Aufstockern" im Ennepe-Ruhr-Kreis machen 1.759 Minijobber aus, die nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienen. Sie verfügen meist nur über eine mangelhafte soziale Absicherung.

"Es ist ein Skandal, dass so viele Menschen auf ergänzende Hilfe zum Lebensunterhalt für sich oder ihre Familien angewiesen sind", betont Dominik Spanke, Vorsitzender der Freien Wohlfahrtspflege im Ennepe-Ruhr-Kreis. "Hier betreiben Unternehmen Niedriglohnpolitik auf dem Rücken ihrer Beschäftigten und zudem auf Kosten der Allgemeinheit, konkret des Steuerzahlers. Da muss der Staat unbedingt gegensteuern."