Caritas befürchtet steigenden Druck auf Schwangere durch neuen vorgeburtlichen Bluttest

...Einführung von vorgeburtlichen, nicht invasiven Bluttests als Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen zum einen der gesellschaftliche Selektionsdruck auf werdende Eltern wächst und zum anderen bezweifelt sie die Sicherheit, die der Test suggeriert.

Dürfen werdende Eltern zukünftig auf Kosten ihrer Krankenkasse die Gesundheit des Ungeborenen mit einem nicht invasiven Trisomie-Test untersuchen lassen? Darüber ist eine Diskussion entbrannt, seit das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im letzten Juni seine abschließende Evidenzbewertung vorgelegt hat. Bislang gehört die nicht invasive Pränataldiagnostik (NIPD) zur Bestimmung des Risikos autosomaler Trisomien 13, 18 und 21 nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen und wird nur durchgeführt, wenn die Eltern den Test selbst bezahlen. Doch dies könnte sich schon bald ändern, denn der Gemeinsame Bundesausschuss wird in diesem Jahr darüber entscheiden, ob der Bluttest eine reguläre Kassenleistung der Krankenversicherung oder eine Kassenleistung bei Risikoschwangerschaften werden soll.

 "Nicht jede medizinische Neuentwicklung ist für alle gleichermaßen sinnvoll und erfüllt das Versprechen, das sie verheißt", erklärt Caritasdirektor Dominik Spanke. Mit der NIPT würde Eltern suggeriert, sie könnten schon vor der Geburt Mängel am Kind ausschließen und sich den Wunsch nach einem der Norm entsprechenden Kind erfüllen. "Doch das Gegenteil ist der Fall: Ein positives Testergebnis katapultiert die Eltern in eine Gefühlsachterbahn und verleitet sie zu Entscheidungen, die voreilig sein können", so der Caritasdirektor.

Denn selbst wenn der pränatale Bluttest, die in dem Gutachten des IQWiG attestierte hohe diagnostische Güte bei Trisomie 21 bestätigen sollte, so wird bei einem positiven Testergebnis zur Differentialdiagnostik den Eltern zu einer Chromosomenuntersuchung des Fruchtwassers (Amniozentese) geraten, die ein erhöhtes Risiko für eine Fehlgeburt birgt. Dominik Spanke: "Die NIPT hat keinen therapeutischen Nutzen, sondern erhöht den emotionalen Druck der Eltern. Im schlimmsten Fall werden dann sogar Kinder aussortiert, die gar keine genetische Anomalie haben, denn die Zuverlässigkeit des Test bei Trisomie 13 und 18 ist bislang nicht ausreichend belegt."

Dominik Spanke plädiert stattdessen für eine bessere Aufklärung der werdenden Eltern und eine bessere Verzahnung von ärztlicher und unabhängiger psychosozialer Beratung, also von Kliniken, Gynäkologen und psychosozialen Beratungsangeboten. Der Caritasdirektor: "Wir sollten verhindern, dass die NIPT zu einem Screening für das ungeborene Leben wird und den Test als Kassenleistung nur indikationsbezogen Hochrisikoschwangeren zur Verfügung stellen. Nur so können wir die Durchsetzung eines Verständnisses von Behinderung gemäß der 2009 in Deutschland in Kraft getretenen UN-Behindertenrechtskonvention sicherstellen."