Caritas Ennepe-Ruhr reagiert auf Hilferuf aus Neu Delhi

Corona-Infizierte, die auf den Straßen sterben. Menschen, die vor Krankenhäusern verzweifelt Ärzte anbetteln, um in Krankenhäuser aufgenommen oder wenigstens untersucht zu werden - das musste der katholische Pfarrer Jiji Vattataparmbil in den vergangenen Wochen in Neu-Delhi miterleben. Bilder, die ihn zu einem Hilferuf bewegt haben, der jetzt in einem Spenden-Projekt der Caritas Ennepe-Ruhr mündet.

"Überall fehlt es an Medikamenten und Sauerstoff. Für viele sind sie unerschwinglich. In den Krankenhäusern zeigt sich, dass das Gesundheitswesen am Limit ist", berichtet der Pfarrer der deutschsprachigen katholischen Gemeinde in Neu Delhi. "Mediziner und Pfleger sind verzweifelt, weil sie nicht helfen können." In Indien sind mittlerweile mehr als 200 000 Pandemie-Tote gezählt worden. Was die Zahlen in Neu Delhi betrifft, weiß Jiji Vattataparmbil aus seiner eigenen täglichen Arbeit und den Berichten aus den katholischen Gemeinden, dass jeden Tag 25 bis 30 Christen wegen einer Corona-Infektion sterben. "Christen machen aber nur einen Anteil von einem Prozent der Bevölkerung in dieser Stadt aus. Man kann das also leicht hochrechnen und kommt auf 3000." Die Dunkelziffer sei auf jeden Fall hoch und die Zahl der Pandemietoten sicher "erheblich höher" als von offizieller Seite angegeben. Die Lage in der Millionen-Stadt sei "grausam", sagt der 44-Jährige.

 

Über den Kontakt zur indischen gemeinnützigen Gesundheitsorganisation Rupcha, an die unter anderem 70 gemeinnützige Krankenhäuser angeschlossen sind, will der Caritasverband Ennepe-Ruhr den Ärmsten der Armen vor Ort helfen. "Die Zustände sind unerträglich und bedürfen unserer aller Hilfe und Solidarität. Man kann sich das hier bei uns kaum vorstellen, wie sehr die Menschen leiden", sagt Caritas-Direktor Dominik Spanke über den aktuellen Spendenaufruf. Die zu Rupcha gehörenden 70 Krankenhäuser sind im Bereich des Nationalen Hauptstadtterritoriums Delhi und den nördlichen Staaten Indiens angesiedelt und helfen bedürftigen Menschen in den ländlichen Gebieten sowie den Bewohnern der Slums in den Städten.

Die Krankenhäuser benötigen alle Sauerstoffkonzentratoren, andere Covid-19-Ausrüstung und Medikamente, um in dieser Krise Menschen zu helfen. "Mit dieser zusätzlichen Ausstattung könnten die Krankenhäuser die Bettenzahl für Covid-19-Patienten erhöhen und könnten mehr Erkrankte behandeln", sagt der Kapuziner-Mönch Dr. Sebastian, Direktor der katholischen Non-Profit Organisation (Foto auf unserer Startseite).

Sauerstoffkonzentratoren sind Geräte, die den Sauerstoff aus der Umgebungsluft anreichern. Sie werden in der Medizin für Patienten benötigt, deren Atemluft mit Sauerstoff "verbessert" werden muss. Bei an Covid 19 erkrankten Menschen ist bei schweren Verläufen eine solche Sauerstofftherapie oder sogar Beatmung (über)lebensnotwendig. "Rupcha weiß am besten, wo die Not am größten ist und kann die erforderliche Ausrüstung mit Hilfe der Spenden anschaffen", erläutert der in Südindien aufgewachsene Jiji Vattataparmbil, der 2002 zur Priesterausbildung nach Deutschland kam und vor zwei Jahren als Auslandspfarrer des Bistums Münster nach Neu Delhi ging. "Die aktuelle Situation ist so, dass man sagen muss: Wer überlebt, hat Glück gehabt."

Selbst geht der 44-Jährige kaum vor die Tür. Und wenn, trägt er einen PPE-Schutzanzug, also einen der von Ärzte-Teams bekannten Ganzkörper-Wegwerfanzüge mit Kapuze. Eigentlich gilt eine komplette Ausgangssperre in der Stadt. Allerdings verteilt der Priester mit seinen Helfern unter anderem PPE-Anzüge, Masken und Pulsoxymeter (die die Sauerstoffsättigung des Blutes messen) an Bedürftige beziehungsweise Krankenhäuser. Das Material hat er über die Gemeinde angeschafft. Aber es kann gar nicht ausreichen angesichts der Not der Menschen.

Deshalb hat Vattataparmbil auch seine verbliebenen Kontakte nach Deutschland genutzt und sich in der aktuellen Notlage an einen Mitarbeiter der Pfarrei St. Peter und Paul Witten, Sprockhövel, Wetter gewandt. Der leitende Pfarrer Holger Schmitz betont: "Wir werden diese Spendensammlung nach Kräften unterstützen." In der zur Pfarrei gehörenden Gemeinde St. Augustinus und Monika Wetter-Grundschöttel hat das ökumenische Flüchtlings-Team bereits alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Spenden zu sammeln. Seit weniger Flüchtlinge nach Deutschland kommen, unterstützt dieser Kreis von Engagierten auch andere soziale Projekte. "Jetzt helfen wir wirklich gerne Menschen in Neu Delhi", sagt ein Flüchtlings-Team-Mitglied.

 

Infokasten:

Spendenkonto der Caritas Ennepe-Ruhr

IBAN: DE88 3606 0295 0000 0104 80

BIC: GENODED1BBE

Verwendungszweck "Corona-Hilfe für Neu Delhi"

 

Rupcha Rupcha (Rajasthan Uttar Pradesh Catholic Healt Association) mit Sitz in Neu Delhi wurde 1991 gegründet - als Non-profit-Organisation im Bereich Gesundheits- und Sozialfürsorge. Die 283 Mitglieder sind alle Gesellschaften wie Gesundheitszentren, Krankenhäuser, Bildungseinrichtungen, Diözesane Sozialdienste. Der Großteil arbeitet im ländlichen Bereich an entlegenen Orten, um armen Menschen vom Land und Bewohnern der (urban) Slums mit dem Nötigsten zu versorgen. Rupcha agiert in den Staaten Rajasthan, Uttar Pradesh, Delhi, Haryana, Punjab, Uttarakhand, Himachal Pradesh und (UTs) von Jammu, Kashmir und Chandigarh. Alle Krankenhäuser sind (charitable) Krankenhäuser.