Pressemitteilung

Caritas setzt auf Prävention gegen sexualisierte Gewalt

"Auch ich bin von den Studienergebnissen erschüttert. Jedes einzelne Opfer von Missbrauch macht uns fassungslos, das Ausmaß ist eine Katastrophe. Gemeinsam mit der Kirche arbeiten wir im Caritasverband Ennepe-Ruhr daran, dass Missbrauch im Kreisdekanat Hattingen Schwelm unmöglich wird", erklärt Caritasdirektor Dominik Spanke. Im Jahr 2014 wurde im Kreisverband ein Schutzkonzept erarbeitet, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene Schutzbefohlene vor sexuellem Missbrauch und Übergriffen schützen soll. 

Schutzkonzept bietet den Rahmen für den Umgang miteinander
Für die Erarbeitung eines wirksamen Schutzkonzeptes wurde die Institution als Ganzes analysiert, eine Erhebung der Zielgruppen durchgeführt und der Kontakt der Abteilungen mit Minderjährigen und Schutzbefohlenen ermittelt. Sowohl für den Umgang miteinander als auch den Schutzbefohlenen wurde ein Verhaltenskodex aufgestellt, dessen Einhaltung alle Mitarbeiter mit ihrer Unterschrift garantieren. "Wir dulden keine psychische oder physische Gewalt, noch deren Androhung und Einschüchterungen, sondern verfolgen das Ziel, die Würde, Integrität und Unantastbarkeit der Menschen - gleich welchen Alters und Stellung - zu garantieren", so der Caritasdirektor

Das und A und O der Mitarbeiterschulung
Ein Schwerpunkt des Schutzkonzeptes liegt in der Auswahl und Schulung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Verband. "Bereits im Vorstellungsgespräch wird auf die Präventionsarbeit hingewiesen und jeder neue Mitarbeiter muss eine Selbstverpflichtungserklärung geben und ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen, das aktenkundige Vergehen im bisherigen Werdegang offen legt. Wir hoffen so, unseriöse und potenziell gefährliche Bewerber bereits im Vorfeld abzuschrecken und die persönliche Eignung sicherzustellen", schildert Carolin Bollongino, die seit 2017 als Präventionsfachkraft bei der Caritas Ennepe-Ruhr arbeitet. 
Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten im ersten Beschäftigungsjahr eine Präventionsschulung, die alle fünf Jahre aufgefrischt wird. Hierbei geht es vor allem darum, Missbrauch und die Strategien von Tätern zu erkennen und ein adäquates Handeln bei Verdachtsfällen zu vermitteln. Carolin Bollongino, die gemeinsam mit Branko Wositsch als Präventionsbeauftrage des Caritasverbandes fungiert, freut sich über die positive Resonanz bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: "Das Interesse am Thema Prävention vor sexualisierter Gewalt hat zugenommen", stellt sie fest. "Die Kollegen müssen hinschauen und wissen, wie man angemessen einschreitet, wo Grenzen verletzt werden und wann ein anderer Mensch geschützt werden muss."

Standardisiertes Verfahren bei Verdachtsfällen
Was aber tun, wenn ein Mitarbeiter doch mal einen Verdacht hegt? Auch hier ist im Schutzkonzept ein konkreter Beschwerde- und Meldeweg festgelegt Das standardisierte Verfahren schützt im Idealfall nicht nur das Opfer sondern auch den Hinweisgeber. Bei internen Verdachtsfällen wenden sich die Mitarbeiter an das dreiköpfige Präventionsteam, das allen Verdachtsfällen nachgehen muss. Dominik Spanke: "Im Caritasverband Ennepe-Ruhr verfolgen wir eine Null-Toleranz-Politik gegenüber den Tätern, eine konsequente Unterstützung der Opfer und eine bestmögliche Prävention." Die Meldung über einen sexuellen Übergriff oder Missbrauch kann aber auch an die Bischöfliche Beauftragte für die Prüfung von Vorwürfen sexualisierter Gewalt, Angelika von Schenk-Wilms, oder ihren männlichen Stellvertreter gehen. 

Welche hohe Relevanz das Thema im Ruhrbistum Essen hat, zeigt nicht zuletzt die Einladung am 6. November in die Bistums-Akademie "Die Wolfsburg" in Mühlheim. Dann wird Bischof Franz-Josef Overbeck bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion mit den beiden Professoren Andreas Kruse und Eric Schmitt aus dem Forscherteam der Missbrauchsstudie sowie mit der Missbrauchsbeauftragten des Bistums Andrea Redeker, über die Studie informieren und diskutieren.


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