Neue Perspektiven für Migranten und Ehrenamt

In den Kommunen des südlichen Ennepe-Ruhr-Kreises arbeiten Flüchtlingsinitiativen mit unterschiedlicher Intensivität und Personenstärke. Es gibt viele ehrenamtliche Angebote, die den Migranten den Weg in die deutsche Gesellschaft bahnen und erleichtern möchten. So sind beispielsweise in Gevelsberg circa 80 Patenschaften für Geflüchtete entstanden, in manchen Gemeinden des Kreises werden von Initiativen neue Ehrenamtliche gesucht, um ihre Projekte erhalten zu können. Denn es gibt weiterhin Angebotsnachfragen, die bislang nicht ausreichend bedient werden können. Zolzaya Bazarsad möchte sich deshalb zunächst einen Überblick über die bestehenden Angebote verschaffen und herausfinden, wo die Herausforderungen und Potenziale liegen. Langfristig beabsichtigt sie, ehrenamtliche Angebote in einem mehrsprachigen Wegweiser zusammenzufassen, weitere Perspektiven zu entwickeln und die Netzwerkarbeit zu intensivieren.

So besteht beispielsweise nach wie vor Bedarf an Nachhilfestunden für die Kinder aus geflüchteten Familien. Hier wäre es sinnvoll, wenn nicht nur deutsche Muttersprachler als Sprachpaten eingesetzt werden, sondern auch ältere Jugendliche der gleichen muttersprachlichen Herkunft. Denn Nachhilfe in der Muttersprache erleichtert das Lernen und ist auch Hilfe zur Selbsthilfe, weiß die Koordinatorin aus eigener Erfahrung. "Viele Migranten haben Zeit und Fähigkeiten, die für das Gemeinwohl hilfreich sein können, doch in den Herkunftsländern ist das Ehrenamt bzw. die ehrenamtliche Arbeit weniger verbreitet als bei uns. Es ist mein Anliegen, die Menschen über diese Arbeit zu informieren und sie dafür zu gewinnen", so Bazarsad, die Workshops für Migranten zu diesem Thema plant.

Auf der anderen Seite sieht sie ihre Aufgabe auch darin, die einheimischen Ehrenamtlichen zu unterstützen, denn auch diese durchlaufen einen Prozess. "Das Interesse in der ehrenamtlichen Arbeit mit Geflüchteten kann sich verlagern, es ist deshalb wichtig, auch hier nach neuen Perspektiven zu schauen", so Koordinatorin Bazarsad, die all diese Aufgaben unter dem Projekttitel "Übergang der Willkommenskultur ins Sozialsystem" bis zum Ende des Jahres umsetzen möchte. Berufsbegleitend studiert sie Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt  "Armut, Migration und Flüchtlinge" an der FH Dortmund.

Der Entschluss zu diesem Studium reifte für Zolzaya Bazarsad im Laufe ihrer eigenen ehrenamtlichen Arbeit für das "Deutsch-Mongolische Tor in NRW e.V." Der Verein, den sie mit anderen vor fünf Jahren in Düsseldorf ins Leben gerufen hat, nimmt viele der Aufgaben wahr, deren Umsetzung sie sich in noch stärkerem Maße für den südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis wünscht. Landsleute, die schon länger in Deutschland leben und mit Sprache und Kultur vertraut sind, unterstützen Neuankömmlinge in allen erdenklichen Lebenslagen, vom Nachhilfeunterricht für Kinder, über Behördengänge bis hin zur eigenen Musikgruppe. Zolzaya Bazarsad hat dabei gelernt: "Bei aller Anstrengung zur Integration ist auch das Bewahren des eigenen kulturellen Erbes für Migranten ein Herzenswunsch."

 

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