Neue Präventionsfachkraft

Miriam Starsinski sitzt vor dem großen, grünen Koffer mit der Aufschrift "Stark, statt breit" und erklärt, was es damit auf sich hat: "Das ist unser Methodenkoffer, der eingesetzt wird, um über Cannabis spielerisch und sachlich aufzuklären. Das ist Prävention: Wenn ich weiß, was ich da eigentlich genau zu mir nehme und mich damit auseinandersetze, gerate ich wohlmöglich gar nicht erst in eine Sucht." Suchtprävention will bei Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen Lebenskompetenzen wie Selbstbewusstsein und Beziehungsfähigkeit fördern. Sie sollen in der  Lage sein, ihre Sehnsüchte und Bedürfnisse ohne den Einsatz von Suchtmitteln zu befriedigen und Probleme ohne Rauschmittel zu lösen.

Der Methodenkoffer ist dabei nur eines von vielen Mitteln, mit denen die neue Präventionsfachkraft der Caritas Ennepe-Ruhr arbeitet. Miriam Starsinski hat im Juni im Suchthilfezentrum in der August-Bendler-Straße begonnen. Prävention ist aber schon lange Thema bei der Caritas: "Wir leisten seit Jahren Präventionsarbeit und haben bisher vor allem Schulprävention angeboten", sagt Anke Duarte, Leiterin des Suchthilfezentrums. Seit diesem Jahr hat es aber eine Veränderung gegeben: Was bisher die Caritas aus eigenen Mitteln geleistet hat, übernimmt nun der Ennepe-Ruhr-Kreis - jedoch mit einem neuen Schwerpunkt. "Vorher haben wir selbst vor Ort Vorträge und Workshops für Kinder und Jugendliche angeboten. Nun sind wir mehr in der Rolle des Multiplikators", erklärt Anke Duarte.

Durch Multiplikatorenarbeit kann Suchtprävention in den Alltag integriert werden

Miriam Starsinski sorgt also dafür, dass möglichst viele Mitarbeitende in diversen Einrichtungen Prävention selbst leisten können. Dazu gehören Kindergärten und Schulen, Betriebe sowie Senioreneinrichtungen. "Ich schule all jene, die mit Menschen in Kontakt kommen und vermittle Methoden, um Sucht zu vermeiden. Das sind nicht nur solche, die suchtgefährdet sind oder konsumieren, sondern auch jene, die wohlmöglich mit dem Thema Sucht noch konfrontiert werden", fasst die 39-Jährige zusammen. Konkret sieht das so aus: Die Diplompädagogin greift auf das bereits bestehende Netzwerk an Schulen, Kindergärten, Jugendämtern und Jugendfreizeiteinrichtungen zurück und baut dieses noch aus. "Dann setze ich mich mit Lehrern, Erziehern, Schulsozialarbeitern und Eltern zusammen und vermittle unterschiedliche Methoden der Präventionsarbeit." Eine dieser Methode ist beispielsweise MOVE. Dabei handelt es sich um eine motivierende Kurzintervention. Ziel ist es, gefährdete Personen zum Nachdenken zu bringen und gegebenenfalls ihr Verhalten zu ändern. "Weitere Ansätze sind beispielsweise der bereits genannte Methodenkoffer oder auch das Märchenmobil, das wir an Kindergärten und Grundschulen ausleihen und mit dem spielerisch das Rollenverhalten in bestimmten Situationen veranschaulicht werden kann. Auf diese Weise lernen schon kleine Kinder, in gefährdenden Situationen sich selbst zu vertrauen und Nein zu sagen."

Anke Duarte sieht Vorteile in der Neuausrichtung der Präventionsarbeit im Ennepe-Ruhr-Kreis. "Bisher hat Andrea Latusek vom VIA AWO-Beratungszentrum den gesamten Ennepe-Ruhr-Kreis versorgt. Nun ist die Versorgung durch zwei Fachkräfte für den EN-Kreis noch besser gewährsleistet. Auf diese Weise kann Suchtprävention tagtäglich von den Menschen vor Ort in den Schul-, Kita- und Beratungsalltag integriert werden. Dadurch ist sie nicht mehr nur eine einmalige Leistung durch punktuelle Veranstaltungen."

Info-Kasten:

  • Die Caritas Ennepe-Ruhr ist für die Suchtprävention in Schwelm, Ennepetal, Breckerfeld sowie in Hattingen und Sprockhövel zuständig.
  • Im vergangenen Jahr haben 620 Menschen mit Suchtproblemen das Suchthilfezentrum aufgesucht.
  • Dabei gehören Alkohol (214 Fälle) und Cannabis (146) nach wie vor zu den häufigsten Suchtproblemen.