Sprachpaten freuen sich über Integrationspreis

Stolz hält Marie Luise Krämer den Scheck über 5000 Euro hoch und zeigt ihn in die Runde. "Wir haben für unsere Arbeit hier einen Preis bekommen. Davon können wir jetzt viele Bücher holen und tolle Ausflüge machen", erklärt die 70-Jährige mit einfachen Worten, damit auch alle Teilnehmer des Sprachkurses sie verstehen. Sie blickt in freudige Gesichter und große Augen, denn mit einem solchen Geldsegen hatte am frühen Mittwochvormittag keiner gerechnet. Möglich wird dies durch den erstmals ausgelobten Integrationspreis der Stadt Schwelm, den das Projekt Sprachpaten St. Marien/Caritas Anfang September erhalten hat.

 

Marie Luise Krämer, oder eben Marlies, wie sie alle bei den Sprachpaten der Einfachheit halber nennen, leitet seit knapp vier Jahren das Projekt der katholischen Gemeinde St. Marien und der Caritas Ennepe-Ruhr. In kleinen Gruppen von maximal fünf Schülern pro Lehrer werden Geflüchtete in deutscher Sprache unterrichtet. Beim wöchentlichen Treffen geht es aber nicht nur um Sprachvermittlung. "Hier werden soziale Kontakte geknüpft, Freundschaften geschlossen, deutsche Sitten und Gepflogenheiten vermittelt und durch Ausflüge die Umgebung erkundet", zählt die Projektleiterin auf. Vor allem Frauen seien es mittlerweile, die von dem Sprachkurs profitieren.

 

Frauen und Senioren besuchen mittlerweile hauptsächlich den Sprachkurs

 

Und tatsächlich hat sich das Teilnehmerfeld verändert: Waren es zuvor vornehmlich männliche Schüler, sind es heute vorwiegend Frauen, viele auch mit Kindern. "Wenn keine Betreuung gegeben ist, dann bauen wir den Spieltisch hier auf und versuchen, auch Müttern die Teilnahme am Kurs zu ermöglichen." Die Teilnehmerinnen kommen nicht nur aus Fluchtgebieten wie Syrien, Armenien, Eritrea, Nigeria und Somalia, sondern auch aus der Türkei oder Italien. "Senioren, die zwar nicht mehr in den Arbeitsmarkt vermitteln werden müssen, aber dennoch gesellschaftlich teilhaben möchten, kommen ebenso gerne jeden Mittwoch zu uns ins Jugendheim", freut sich die Leiterin.

 

Angefangen hat die pensionierte Lehrerin 2015 mit einer Gruppe aus sechs jungen Afghanen, die nach Deutschland geflohen waren. "Mit ihnen habe ich Deutsch geübt, Weihnachten gefeiert und gemeinsam gekocht", erinnert sie sich lachend. Für Marlies Krämer ist Deutsch lernen nicht nur stures Vokabeln und Satzbau üben. "Sprache wird gelebt, deshalb eignen sich Ausflüge und besondere Anlässe hervorragend dafür, neue Wortfelder zu erschließen und Sprache eben praktisch zu lernen", erklärt sie. Man merkt, dass sie und die weiteren acht Sprachpaten viel Zeit, Herz und Engagement in ihr Ehrenamt stecken. Manches Mal auch mehr, als ihnen vielleicht gut tut. Gerade im Alltag beim Gang zu Behörden und beim Verstehen von amtlichen Schreiben sind Zugewanderte oftmals hilflos. Marlies Krämer hat hierbei lange Zeit geholfen, "aber es wurde schon fast ein Fulltime-Job, deshalb musste ich einfach zurückschrauben."

Ausflüge stiften Gemeinschaft

 

"Die Hilfestellung im Alltag ist sehr zeitaufwendig und kann für die Helfer auch schnell zu einer Überforderung werden. Das Schöne beim Ehrenamt ist aber auch, dass es jedem selbst überlassen ist, wann und wie stark er sich einbringen möchte", erklärt Zolzaya Bazarsad, Koordinatorin für Ehrenamt im Caritasverband.

 

Nichtsdestotrotz: Marlies Krämer hat mit den 5000 Euro von der Stadt eine Menge Sachen geplant und dafür nehmen sie und die anderen Sprachpaten sich gerne extra Zeit: "Ein Besuch in der Kluterthöhle mit der ganzen Gruppe und ihren Familienangehörigen sowie ein Zoobesuch und ein Spaziergang über den Weihnachtsmarkt, das haben wir uns schon fest vorgenommen." An diesem Mittwoch geht es aber nach dem Sprachkurs erst einmal ein Eis essen - und das schmeckt in jeder Sprache gut.

 

Infokasten:

Sprachpaten St. Marien/Caritas

 

  • Klaus Hufnagel hat im Sommer 2015 das Projekt Sprachpaten ins Leben gerufen. Kurz darauf stieß Marie Luise Krämer dazu.
  • Jeden Mittwoch von 10 bis 12 Uhr treffen sich die Sprachpaten mit den Schülern im Jugendheim der Gemeinde St. Marien, Marienweg 5.
  • Interessierte Teilnehmer und engagierte Ehrenamtliche sind jederzeit willkommen.