Verluste an Geldspielgeräten haben sich verdreifacht

Auf Initiative des Hattinger Suchthilfezentrums und des Café Sprungbrett sprach Arne Rüger von der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht NRW kürzlich auf einem Infoabend über das Thema: Glücksspiele - die unsichtbare Gefahr.

Etwa eine halbe Million Bürger haben in Deutschland ein Problem mit übermäßigem Glücksspiel, in NRW sind etwa 40.000 Menschen von der Sucht betroffen. Hinzu kommen Angehörige und Personen aus dem sozialen Umfeld, die mitbetroffen sind und eigene schwerwiegende psychische Störungen entwickeln können. Während sich die Anzahl der von einer Abhängigkeit betroffenen Personen seit Jahren auf dem gleichen Niveau befindet, steigt die Höhe des Einsatzes und damit des Geldverlustes kontinuierlich. Mit legalen Glücksspielen, zu denen Spielbanken, der Lotto- und Tottoblock und  Geldspielgeräte zählen, wurde in Deutschland im Jahr 2017 einen Umsatz von über 46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Den größten Anteil mit 31 Milliarden Euro haben daran Geldspielgeräte in Spielhallen und Gastronomie. "Glücksspielsucht ist die Sucht mit der höchsten Verschuldungsrate und der höchsten Suizidalität. Knapp 80 Prozent der Hilfesuchenden in den Beratungsstellen haben ein Problem mit Geldspielgeräten", erklärt der Soziologe Arne Rüger.

Diese Entwicklung bestätigt auch Tanja Große-Munkenbeck, Leiterin des Caritas Suchthilfezentrums in der Heggerstraße: "Obwohl nur 2,6 Prozent der Bevölkerung überhaupt an Geldspielgeräten spielt, kommen die meisten Klienten aus diesem Bereich."

Trotzdem ist in Hattingen die Anzahl der Spielhallenkonzessionen von 8 im Jahre 2008 auf 13 seit 2010 angestiegen. 133 Geldspielgeräte standen 2018 in Spielhallen und 15 in gastronomischen Einrichtungen der Stadt. Am sichtbarsten wird das Problem bei den Spielerverlusten. Während Spieler im Jahr 2008 an den Geräten in Hattingen gut 1,53 Millionen Euro verloren, stieg der Verlust im letzten Jahr auf rund 4,5 Millionen Euro an. "Leider haben viele Kommunen dafür nur ein geringes Problembewusstsein, weil die Gemeinden über die Vergnügungssteuer an den Umsätzen partizipieren" so Soziologe Rüger. 

Kritisch betrachtet der Referent auch den neuen Glücksspielstaatsvertrag im kommenden Jahr, der die Beschränkungen für Glücksspiele weiter aufweichen könnte. Arne Rüger: "Bislang sind Online-Casinos nur in Schleswig-Holstein zugelassen, doch das könnte sich in 2021 ändern, wenn weitere Bundesländer eine Lizenzvergabe anstreben. Online-Glücksspiele haben ein hohes Gefahrenpotential weil sie eine ständige Verfügbarkeit in der Anonymität des Netzes mit hohen Einsatzmöglichkeiten ohne Kontrolle bieten." Der Einstieg in das Glückspiel findet häufig über Sofortlotterien, z.B. Rubbellose, statt.  Grundsätzlich gilt, je früher ein Einstieg erfolgt, desto höher ist das Suchtpotential. Demographisch gesehen sind männliches Geschlecht, ein eher geringes Bildungsniveau und ein Migrationshintergrund Risikomerkmale.

Weitere Informationen zum Thema Glücksspielsucht erteilt das Suchthilfezentrum unter Telefon: 02324 92560.



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Glücksspielsucht - die unsichtbare Gefahr

Vortrag von Arne Rüger am 10. Oktober 2019 in Hattingen