Vermieter mit Herz gesucht

Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen haben auf dem angespannten Wohnungsmarkt noch größere Schwierigkeiten eine adäquate Mietwohnung zu finden als andere Wohnungssuchende. Darauf macht die Caritas Ennepe-Ruhr aufmerksam. Viele ihrer Klienten haben Erfahrungen gemacht wie Susanne Müller, deren Name zum Schutz ihrer Identität geändert ist. Seit März 2018 ist die junge Frau auf der Suche nach einer kleineren Wohnung, da sie ihre derzeitige 75 Quadratmeter große Wohnung nach der Trennung vom Partner und dem Verlust ihres Arbeitsplatzes nicht mehr finanzieren kann. Hinzu kam eine Lebenskrise, die eine psychiatrische Behandlung erforderlich machte. Die Abteilung ambulant betreutes Wohnen für Menschen mit psychischen Erkrankungen bei der Caritas Ennepe-Ruhr unterstützt Susanne Müller in dieser heiklen Situation. "Psychisch Kranke haben Schwierigkeiten sich aktiv auf Wohnungssuche zu begeben, ohne Hilfe ist das fast unmöglich", erläutert Sozialarbeiterin Regina Schütze.

Vor gut zwei Jahren war die Welt der jungen Frau noch in Ordnung. Mit Kind und Partner lebte sie ein Leben, das sozial abgesichert erschien. Doch aufgrund ihrer psychischen Schwierigkeiten verlor sie alles. Noch während sie in psychologischer Behandlung war, kam vom Jobcenter die Aufforderung sich eine Wohnung in angemessenem Umfang zu suchen. Doch das ist in Hattingen und in vielen anderen Ruhrgebietsstädten leichter gesagt als getan. Bei einem leergefegten Wohnungsmarkt und steigenden Mieten, stehen Menschen mit psychischer Beeinträchtigung in einer Konkurrenzsituation mit gesunden Wohnungsinteressenten, die sie nicht gewinnen können. "Menschen in meiner Situation haben kein Selbstwertgefühl, sie schämen sich. Auch andere Symptome der Erkrankung können hervortreten oder schlicht das Offenbaren eines psychischen Problems erschwert die Gespräche mit dem Vermieter und lässt eine Vermietung immer wieder scheitern", schildert die Wohnungssuchende ihre Erfahrungen. 

Deshalb ist sie froh, Unterstützung bei der Caritas gefunden zu haben. Regina Schütze sucht gemeinsam mit ihrer Klientin im Internet nach einer geeigneten Wohnung. Nachdem es monatelang keine passenden Angebote gab, sind jetzt zumindest bei einer Hattinger Genossenschaft wieder einige Wohnungen verfügbar. Die Sozialarbeiterin telefoniert die Angebote ab und begleitet die Wohnungssuchende auch zu den Besichtigungsterminen. Beide hoffen inständig, dass es diesmal klappt, denn es wäre nicht nur ein finanzieller Befreiungsschlag, sondern würde auch einen Schub für das Selbstwertgefühl und neue Aufgaben bedeuten, den Genesungsprozess positiv unterstützen. Und die schlimme Ungewissheit hätte ein Ende. Denn seit Oktober zahlt das Jobcenter ihr nur noch den Regelsatz für einen Single-Haushalt. "Die Differenz zur aktuellen Miete von etwa 250 € muss ich aus dem Regelsatz und mit geliehenem Geld von Freunden und Familie begleichen. Das ist eine Abwärtsspirale, aus der ich mich so schnell wie möglich befreien möchte", sagt Susanne Müller, die inzwischen sogar wieder Aussicht auf eine Arbeitsstelle hat. Ihre Ansprüche an die neue Wohnung sind überschaubar, bezahlbar soll sie sein, das ist das wichtigste, und das bedeutet bei ihr etwa 450 € Warmmiete für eine 50 Quadratmeter große Wohnung.

Da die junge Frau kein Einzelfall im Dienst des ambulant betreuten Wohnen ist, sondern mehrere Klienten eine bezahlbare Wohnung suchen, bittet die Caritas Vermieter mit Herz darum, sich bei ihr zu melden unter Telefon: 02324 56990-30 oder per Mail an: info@caritas-en.de

 

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