Angehörige von Menschen mit Suchterkrankungen treffen sich regelmäßig im Schwelmer Caritas-Haus zum Austausch.
Die Selbsthilfegruppe für Angehörige von Menschen mit Suchterkrankung – angedockt an das Schwelmer Caritas-Suchthilfezentrum – hat aktuell Platz für neue Mitglieder. An jedem zweiten und vierten Dienstag im Monat treffen sich die Männer und Frauen in der Zeit von 17 bis 18.30 Uhr in den Räumen des Caritas-Hauses an der August-Bendler-Straße 14.
„Dort treffen Angehörige auf Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und wirklich verstehen, wovon man spricht“, erläutert Barbara Wolf, Suchtberaterin im Caritas-Suchthilfezentrums. „Der Austausch schafft Entlastung und das Gefühl, nicht allein zu sein.“ Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichten, dass sie zum ersten Mal offen aussprechen konnten, wie es ihnen wirklich geht – und dass allein das schon eine enorme Erleichterung war. „In unserer Gruppe entstehen neue Perspektiven, praktische Strategien und ein Gefühl von Gemeinschaft, das im Alltag oft fehlt“ erzählt eine Teilnehmerin.
Sucht ist eine Krankheit, und wie bei jeder Krankheit brauchen nicht nur die Betroffenen Unterstützung, sondern auch die Menschen, die sie lieben. „Angehörige dürfen sich Hilfe holen, ohne sich rechtfertigen zu müssen“, betont Barbara Wolf. „Sie dürfen für sich sorgen. Und sie dürfen den ersten Schritt gehen – auch wenn er schwerfällt. Er ist oft der Beginn eines Weges, der zu mehr Klarheit, mehr Stabilität und mehr Lebensqualität führt.“ Professionelle Unterstützung – etwa durch das Caritas-Suchthilfezentrum oder therapeutische Angebote – könne helfen, die eigenen Grenzen wiederzufinden, Schuldgefühle zu bearbeiten und aus ungesunden Mustern auszusteigen. „Es geht dabei nicht darum, die suchtkranke Person zu verändern, sondern darum, selbst wieder Kraft zu gewinnen.“
Sucht sei nie ein „isoliertes Problem“, sagt Barbara Wolf. Sie betreffe nicht nur die Person, die konsumiert, sondern das gesamte Umfeld. „Angehörige geraten dabei häufig in eine Rolle, die sie weder gewählt noch vorbereitet haben. Sie leben in einem Spannungsfeld aus Sorge, Verantwortung, Hoffnung und Enttäuschung. Viele von ihnen funktionieren nach außen weiter, während sie innerlich längst erschöpft sind.“
Die Suchtberaterin weiß: Der Alltag mit einem suchtkranken Menschen ist geprägt von Unsicherheit. Angehörige wüssten oft nicht, in welchem Zustand sie die Betroffenen antreffen oder ob es zu Konflikten kommt. „Viele übernehmen Aufgaben, die eigentlich nicht ihre sind, und versuchen, die Situation zu stabilisieren oder zu kontrollieren. Das geschieht aus Liebe, Loyalität oder Angst – und führt doch dazu, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse immer weiter zurückstellen.“ Gleichzeitig schämten sich viele und zögen sich zurück, weil sie befürchteten, verurteilt zu werden. So entstehe eine Isolation, die die Belastung zusätzlich verstärkt.
Mit der Zeit entwickeln Angehörige häufig Verhaltensmuster, die man als co abhängig bezeichnet. Sie versuchen, die Sucht zu kompensieren, Probleme zu vertuschen oder Verantwortung zu übernehmen, die nicht bei ihnen liegt. Diese Muster sind menschlich und verständlich, aber sie sind nicht gesund. Sie führen dazu, dass Angehörige selbst krank werden – emotional, psychisch oder körperlich.
„Gerade deshalb ist es so wichtig, dass Angehörige sich Unterstützung holen“, betont Barbara Wolf. Hilfe zu suchen bedeute nicht, die betroffene Person im Stich zu lassen. Es bedeute vielmehr, sich selbst wieder ernst zu nehmen und die eigene Stabilität zurückzugewinnen. „Wer versteht, wie Sucht funktioniert und welche Dynamiken sie erzeugt, kann Grenzen setzen, ohne Schuldgefühle zu entwickeln“, so Wolf, „er oder sie kann lernen, Verantwortung dort zu lassen, wo sie hingehört, und wieder Raum für das eigene Leben zu schaffen.“
Ein besonders wertvoller Schritt kann der Besuch einer Selbsthilfegruppe sein. Bei Interesse an den Treffen der Schwelmer Selbsthilfegruppe im Caritas-Haus können sich Angehörige melden bei: Silke unter silke.bastian@hotmail.de oder barbara.wolf@caritas-ruhr-mitte.de.
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Barbara Wolf in einer Beratungssituation im Caritas-Suchthilfezentrum an der August-Bendler-Straße. Foto: Claudia Kook




