Mit Pia-Ausbildung zum Traumberuf

Abitur, Freiwilliges Soziales Jahr und dann zur Polizei - für Henrike Mietz war dieser Weg zum Traumberuf mit 18 Jahren völlig klar. "Soziale Arbeit, das war damals Plan B", sagt die Schwelmerin mit einem Augenzwinkern. Denn die 21-Jährige ist ganz frisch in ihrer praxisintegrierten Ausbildung (Pia) zur Erzieherin, die seit diesem Jahr im Berufskolleg Hattingen möglich ist und die Praxiszeiten der klassischen Ausbildung einschließlich Berufspraktikum in drei Ausbildungsjahre einschließt.

Für Henrike Mietz und rund 50 weitere junge Frauen und Männer heißt das: An drei Tagen in der Woche lernen sie im Berufskolleg Hattingen alles pädagogisch und sozialpädagogisch Wissenswerte und Nützliche für ihren Traumberuf - plus Englischunterricht, Naturwissenschaften, Recht und Verwaltung und vieles mehr. An zwei Tagen ist die 21-Jährige in der Intensivwohngruppe der Caritas in Hattingen im Einsatz. Zwar wird sie in einem sogenannten "Wechselpraktikum" im ersten Ausbildungsjahr auch das berufliche Leben im Kindergarten kennenlernen. Aber die erste Pia-Auszubildende der Caritas Ennepe-Ruhr hat sich ganz bewusst für die Arbeit mit älteren Kindern und Jugendlichen entschieden. "Ich habe das Gefühl, dass man bei ihnen so viel erreichen kann", sagt Henrike Mietz.

Fünf Jugendlichen bietet die Intensivwohngruppe in Hartingen ein Zuhause, in dem sie sich geborgen fühlen können, wenn das im eigenen Zuhause nicht oder nicht mehr gewährleistet ist. Für sie habe sich der neue Arbeitsplatz angefühlt, als wenn sie "in eine Familie gekommen wäre", beschreibt die 21-Jährige ihren Start in der Wohngruppe. "Es ist absolut wie Familienleben. Die Fünf gehen in die Schule, es gibt Mittagessen, sie machen Hausaufgaben, danach ist Freizeit. Alles ganz normal", sagt Henrike Mietz. Sie selbst hilft bei Organisatorischem, geht einkaufen, kocht, hilft bei Hausaufgaben, begleitet die Jugendlichen zu Arztterminen oder bei Freizeitaktivitäten, spielt mit ihnen. Dabei ist sie immer zusätzlich zu den eigentlichen Betreuern im Haus und erlebt so die Praxis des Jobs mit gleichzeitiger Unterstützung durch die Kollegen.

Dass Henrike Mietz klar wurde, dass dieser Plan B doch eigentlich ihr Plan A ist, ergab sich durch ihr vorheriges Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), ebenfalls bei der Caritas. "Dabei habe ich gemerkt: Soziale Arbeit ist meine eigentliche Bestimmung. Mein Herz schlägt anders. Ich habe gesehen, wie viel Spaß und Freude es auch beruflich macht, Menschen zu helfen." Privat war ihr das nicht wirklich neu. "Ich habe es zum Beispiel immer schon gemocht, Leute zu begleiten und zu motivieren." Ehrenamtlich war sie in der Vergangenheit als Teamerin und Trainerin im Jugendbereich unterwegs. Sie engagierte sich zum Beispiel im Hagener Jugendzirkus.

Mit dem Start ins FSJ bei der Caritas Ennepe-Ruhr in Schwelm sammelte sie ab September 2018 Erfahrungen in verschiedenen Abteilungen wie dem Suchthilfezentrum, im Betreuten Wohnen, Tafelladen, Kleiderladen und im engen Kontakt zur Schwangerenberatung. Als das übliche Jahr als FSJler um war, verlängerte sie sogar noch um ein halbes Jahr. Wenn ihre jetzt gestartete Ausbildung in drei Jahren vorbei ist, könnte sich Henrike Mietz vorstellen, soziale Arbeit zu studieren. "Aber parallel würde ich gerne weiterarbeiten. Gerne bei der Caritas. Hier fühle ich mich gut aufgehoben. Es gibt viele verschiedene Bereiche, in denen man arbeiten kann. Und es gibt viele Möglichkeiten, sich weiterzubilden."

Das hört Caritasdirektor Dominik Spanke gern. Ihn überzeugt Pia schon jetzt. "Es ist eine ungewöhnliche Ausbildungsart", sagt Caritasdirektor Dominik Spanke, "aber sie bietet uns die tolle Möglichkeit, genau passend auszubilden, so dass man jemanden danach direkt einsetzen kann." Auf der einen Seite wüssten die Auszubildenden, so wie auch die Studenten im Dualen Studium, die bei der Caritas beschäftigt sind, "wie bei uns gearbeitet wird". Niemand fange bei null an. Auf der anderen Seite könne die Caritas auch von den Impulsen aus dem Unterricht im Berufskolleg profitieren.

 

Weitere Informationen:

Pia im Kolleg Das Berufskolleg Hattingen bietet die Ausbildung zur Erzieher/in ganz neu seit dem Schuljahr 2020/2021 in der praxisintegrierten Ausbildungsform (Pia) an. Zuvor gab es hier schon die Heilerzieher/in-Ausbildung auf dem Pia-Weg. Es gibt neben dem Unterricht in den ganzen drei Jahren den Praxisteil in einem festen Ausbildungsbetrieb. Die Auszubildenden erhalten eine Entlohnung für ihre Berufstätigkeit und erlangen nach erfolgreichem Abschluss nach drei Jahren automatisch die staatliche Anerkennung als Erzieher/in oder Heilerziehungspfleger/in.

Dual bei der Caritas Neben der PiA-Kooperation für den Ausbildungsbereich gibt es auch die Möglichkeit, den praktischen Teil eines dualen Studiums bei der Caritas Ennepe-Ruhr zu absolvieren. Aktuell sind hier drei duale Studenten und Studentinnen im Einsatz.

Freiwilligendienste Pro Jahr bietet die Caritas derzeit drei jungen Männern und Frauen die Möglichkeit für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beziehungsweise Bundesfreiwilligendienst (BFD).