Neuer Suchthilfebericht

Anke Duarte Suchthilfebericht559 Menschen nutzten das Hilfsangebot der Beratungsstelle in Schwelm. 473 Personen waren selbst betroffen (Drogen 257, Sucht 213) und 65 kamen als Angehörige (Drogen 20, Sucht 45). In Hattingen nahmen im vergangenen Jahr 686 Menschen das Hilfsangebot der Beratungsstelle wahr. 568 Personen waren selbst betroffen (Drogen 302, Sucht 266) und 118 kamen als Angehörige.

In Grafiken und kurzen Texten spiegelt der sechsseitige Flyer das Suchtverhalten in den Städten Schwelm, Ennepetal und Breckerfeld sowie Hattingen und Sprockhövel wider. "Wobei Zahlen und Statistiken die Herausforderungen, vor denen wir in diesem außergewöhnlichen Corona-Jahr gestellt wurden, kaum wiedergeben können", sagt Tanja Große-Munkenbeck, Leiterin des Suchthilfezentrums Hattingen/Sprockhövel.

Tanja Gro�e Munkenbeck SuchthilfeberichtEs erforderte ein hohes Maß an Engagement, Durchhaltevermögen, Kreativität und Flexibilität des Caritas-Teams, um für die Betroffenen von Sucht alternative Beratungsangebote vorzuhalten. Denn im ersten Lockdown war an die gewohnte, persönliche Beratungssituation in den Räumlichkeiten der Caritas nicht zu denken. "Wir haben schnell auf Online-, Video-Chat- und Telefonberatung umgestellt. Und genauso schnell erkannt: Damit werden wir den besonderen Bedarf unserer Klienten nicht gerecht", so Anke Duarte, Leiterin in Schwelm. "Unsere Klienten litten mehr als zuvor unter der zunehmenden Einsamkeit und Isolierung.  Psychosoziale und emotionale Belastungen sowie Rückfälle stiegen an. Im Zuge dessen mussten wir vermehrt Krisenintervention durchführen."

Suchthilfe in Zeiten von Corona

Also wurden Schutzmaterialien, wie Masken, Spuckwände und Desinfektionsmittel angeschafft, um den persönlichen Kontakt zu den Hilfesuchenden wieder herstellen zu können. "Und viele der Beratungen wurden nach draußen verlagert oder in unsere Außenstellen, um Abstände gewährleisten zu können. Lediglich die Gruppenangebote konnte aufgrund der hohen Auflagen der Corona-Schutzverordnung kaum bis gar nicht gemacht werden." Nichtsdestotrotz: Insbesondere in dieser schweren Zeit der Pandemie konnten die Caritas-Mitarbeitenden einen Beitrag dazu leisten, um Isolation und Einsamkeit, Hilflosigkeit und Überforderung für die von Sucht betroffenen Menschen und ihre Angehörigen zu vermeiden.

Alkohol und Cannabis häufigster Grund für Kontaktaufnahme

Nun aber zu den Zahlen: In Hattingen nahmen 686 Menschen  das Hilfsangebot der Beratungsstelle wahr, 568 davon waren selbst betroffen (Drogen 302, Sucht 266) und 118 kamen als Angehörige. "Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Hilfesuchenden leicht gestiegen (2019: 723 Hilfesuchende), aber im Summe haben wir ziemlich stabile Betreuungszahlen, was bedeutet, dass es keine starken Schwankungen bei den Suchterkrankungen in unserem Einzugsgebiet gibt" so Tanja Große Munkenbeck.

 In Schwelm kamen 559 Menschen in die Beratungsstelle, 473 davon waren selbst betroffen (Drogen 257, Sucht 213) und 65 kamen als Angehörige. 

Der problematische Konsum von Alkohol und Cannabis führte in allen Städten im vergangenen Jahr am häufigsten zur Kontaktaufnahme. In Hattingen fanden die meisten Beratungen fanden wie bereits im Vorjahr in der sehr jungen Altersgruppe von 16 bis 25 Jahren statt (132). In Schwelm war es die Altersgruppe von 31 bis 40 Jahren statt (137).

Kinder aus suchtbelasteten Familien im Blick

Besonderer Fokus bei der Arbeit des Suchthilfezentrums liegt nach wie vor auf der Prävention. Allerdings sind auch da dem Suchthilfezentrum durch die Pandemie häufig die Hände gebunden gewesen. Dennoch konnten Arbeitskreise mit Lehrern und Schulsozialarbeitern durchgeführt werden und das Suchthilfezentrum beteiligte sich an den Aktionstagen "Sucht hat immer eine Geschichte". Ebenso war das Suchthilfezentrum Hattingen am bundesweiten Aktionstag gegen Glückspielsucht aktiv und konnten mit einem Stand in der Fußgängerzone Menschen für das Thema sensibilisieren. In Schwelm stand das Märchenmobil, das in Form der Frühprävention bereits auf junge Kinder zugeht, am Familienzentrum Heilig Geist und am Jugendzentrum in Schwelm.

Mit dem Programm Fitkids nimmt das Caritas-Suchthilfezentrum außerdem Kinder aus suchtbelasteten Familien in den Blick. Zwar konnten geplante Aktionen nicht wie gewohnt stattfinden, aber in den Herbstferien wurde ein Ausflug zum Hohenstein nach Witten gemacht, und durch die Weihnachtswunschbaumaktionen konnten insgesamt 45 Kinder beschenkt werden. "Wir haben in unseren Beratungen immer wieder mit süchtigen Menschen zu tun, die mit Kindern in einem Haushalt leben. Wir sind uns der besonderen Verantwortung gegenüber diesen Kindern bewusst und möchten ihnen dabei helfen, gesünder und geschützter aufzuwachsen", sagt Anke Duarte. Mehr als 30 Prozent der Kinder suchtkranker Eltern werden später selbst süchtig. "Umso wichtiger ist es, vorher aktiv zu werden", betont die Sozialpädagogin.

Das Suchthilfezentrum Hattingen möchte mit einem neuen Gruppenangebot helfen. "Es ist auf den Bedarf und die Nöte dieser jungen Menschen ausgerichtet und versucht ihnen Antworten und Erklärungen für die familiäre Situation zu geben", so Tanja Große Munkenbeck. "Trampolin", so der prägnante Name für das Gruppenangebot. "Sich leicht fühlen, wie beim Springen auf dem Trampolin. Den Ballast abwerfen und sich frei machen von den Sorgen, das möchten wir bei den Kindern erreichen", erklärt die Suchtberaterin den Titel. Das Programm besteht aus neun Gruppensitzungen für Kinder von 8 bis 12 Jahren, die wöchentlich stattfinden.

Mehr Infos zu den Hilfsangeboten der Suchthilfezentren gibt es unter Telefon: 02336 9242540 oder 02324 92560 und per E-Mail an: shz-schwelm@caritas-en.de.  bzw. shz-hattingen@caritas-en.de

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Jahresbericht 2020 Suchthilfezentrum Hattingen

Jahresbericht 2020 Suchthilfezentrum Schwelm